Verisign hat zwei neue Record-Typen vorgeschlagen, über die sich KI-Agenten im DNS finden lassen. Der Vorschlag ist einer von mehreren. Auch Identity Digital und der frühere Tucows-Chef Elliot Noss arbeiten an eigenen Ansätzen. Die IETF hat dafür im Juli eine Sondersitzung abgehalten.
Sameer Thakar von Verisign hat den Vorschlag am 1. September auf CircleID vorgestellt. Der zugehörige Entwurf liegt der IETF schon seit dem 5. Juni vor, draft-seethiraju-dawn-dan-00, verfasst von vier Verisign-Mitarbeitern.
Zwei Record-Typen sind vorgesehen. AIDISCA verbindet den Namen eines Agenten mit Angaben zur Verbindung: Protokoll, Fähigkeiten, Endpunkt und kryptografischen Zuordnungsdaten, ähnlich wie DANE es für Zertifikate tut. AIINDEX listet die Domainnamen auf, unter denen solche Einträge zu finden sind.
Verisign ist nicht allein
Beim Blick in die Entwurfssammlung der IETF stehen mehrere Vorschläge nebeneinander, die unterschiedliche Teile desselben Problems lösen wollen. Der eine kümmert sich um das Finden, der nächste um Namen, der dritte um Identität und Verantwortlichkeit. Neben dem Verisign-Papier finden sich unter anderem draft-cui-dns-native-agent-naming-resolution, draft-liang-agentdns, draft-mozley-aidiscovery und der Agent Name Service, dessen erster Entwurf inzwischen durch draft-narajala-courtney-ansv2 ersetzt wurde.
Die IETF hat darauf reagiert. Bei ihrem Treffen im Juli in Wien fand eine Sondersitzung unter dem Namen DAWN statt. Eine Arbeitsgruppe ist daraus noch nicht entstanden. Bei der IETF ist eine solche Sondersitzung der Vorlauf: Man prüft einmal, ob genug Leute mitarbeiten und ob sich ein Auftrag formulieren lässt. Über den Charterentwurf wird seit August diskutiert. Ein eigener Entwurf vermisst inzwischen die Landschaft der Entdeckungsmechanismen, quer durch IETF, 3GPP und Open-Source-Projekte.
Die Registries drängen in das Feld
Auffällig ist, wer sich beteiligt. Identity Digital, nach eigenen Angaben Betreiberin von mehr als 34 Millionen Domains, hat im April eine Abteilung namens Innovation Labs gestartet und bereits am 30. April einen eigenen Entwurf bei der IETF eingereicht. Öffentlich vorgestellt hat sie ihn am 4. Juni. Er heißt DNSid und soll Agenten eine dauerhafte Identität geben, hinter der eine verantwortliche Stelle steht, nachvollziehbar auch nach einem Schlüsselwechsel oder einem Inhaberwechsel der Domain. Verfasst hat ihn Naveed Ihsanullah, der Technikchef der Abteilung.
Seit dem 15. Juli sitzt Vint Cerf im Beirat dieser Abteilung. Er formuliert die Fragen, um die es geht: Welche Befugnisse hat ein Agent, woher stammen sie, wer haftet für sein Verhalten und warum sollte man ihm vertrauen?
Außerdem mischt Elliot Noss mit, der frühere Chef von Tucows. Sein Projekt Groundmark hat zwei Entwürfe bei der IETF eingereicht, zusammen mit Mark Jeftovic verfasst. Der Ansatz kommt ohne zentrale Registrierungsstelle aus: Der Agent signiert seine Anfrage, sein öffentlicher Schlüssel steht in einem TXT-Eintrag, DNSSEC sichert die Kette, und ein Identitätsdienst bestätigt die Angaben zum Betreiber. Dessen Prüfmethode muss er offenlegen. Genau darin sieht Noss den Unterschied zu den übrigen Vorschlägen.
Nicht alle Vorschläge stehen gegeneinander. Der Agent Name Service, an dem GoDaddy mitarbeitet und den die Linux Foundation im Juni unter ihr Dach nehmen wollte, kümmert sich um Namen und deren Prüfung. DNS-AID von Infoblox, ebenfalls in Zusammenarbeit mit GoDaddy, zielt darauf ab, Agenten und deren Fähigkeiten zu finden. Beide Unternehmen beschreiben die Ansätze als sich ergänzend. Daneben gibt es zahlreiche Vorschläge, die für Identität und Auffinden gar nicht auf DNS setzen.
Warum das die Branche angeht
Der gemeinsame Gedanke der DNS-Ansätze ist simpel. Wer einen Agenten betreibt, verknüpft ihn mit einem Domainnamen. Andere Systeme finden darüber Angaben zu diesem Agenten, je nach Ansatz vom Endpunkt und seinen Fähigkeiten bis zur Identität des Verantwortlichen. Damit würde eine Domain als Ausweis für Software dienen, die eigenständig handelt.
Für Registries und Registrare ist das mehr als eine technische Frage. Es wäre ein neuer Grund, Domains zu registrieren, und ein neuer Dienst, den man verkaufen könnte. Dass mit Verisign und Identity Digital zwei große Registry-Betreiber eigene Vorschläge einbringen, ist kein Zufall.
Was davon Bestand hat, ist offen
Alles Genannte sind Entwürfe. Ein Internet-Draft ist zunächst nur ein Vorschlag, den jeder einreichen kann, und die meisten laufen aus, ohne je zum Standard zu werden. Neue Record-Typen setzen sich zudem langsam durch, weil Software auf dem gesamten Weg zwischen Anfrage und Antwort damit umgehen muss.
Welche Ansätze in die Standardisierung einfließen, entscheidet sich frühestens, wenn feststeht, welchen Auftrag DAWN überhaupt bekommt. Der Charterentwurf nennt das DNS bislang nur als einen von mehreren möglichen Wegen.
Quellen
- CircleID: Sameer Thakar und andere, Proposed New DNS Resource Record Types for AI Agent Discovery, 1. September 2026
- IETF: draft-seethiraju-dawn-dan-00, DNS-Based Agent Naming (DAN)
- IETF: DAWN, Charterentwurf und Status
- IETF: draft-jimenez-dawn-discovery-landscape-00, A Survey of AI Agent Discovery Mechanisms
- IETF: draft-ihsanullah-dnsid, DNS-Anchored Durable Identity for AI Agents
- Identity Digital: Innovation Labs reicht DNSid bei der IETF ein, 4. Juni 2026
- TechCrunch: Tim Fernholz, Vint Cerf is working on a plan to unleash AI agents on the open internet, 15. Juli 2026
- Groundmark: DNS-Anchored Identity for Autonomous Agents
- IETF: draft-noss-jeftovic-groundmark-core-00
- Domain Name Wire: Trust and identity with AI agents, Podcast 598 mit Elliot Noss, 3. August 2026
- The New Stack: Frederic Lardinois, Can DNS become the basis for AI agent identity?, 23. Juni 2026