nTLDs
Die Runde schließt mit mehr als 1.600 Bewerbungen, zwei Drittel davon mit hinterlegtem Ersatzstring
Mehr als 1.600 Bewerbungen für neue Endungen sind bei ICANN eingegangen, weniger als die 1.930 aus der Runde 2012. Auffällig ist etwas anderes: Mehr als 1.100 davon enthalten einen Ersatzstring. Rund zwei Drittel haben sich also für den Fall abgesichert, dass ihr Wunschname in Konkurrenz gerät.
Das Bewerbungsfenster des New gTLD Program 2026 Round lief vom 30. April bis zum 12. August um 23:59 UTC. Einen Tag später nannte ICANN die Zahl: mehr als 1.600 Anträge. 2012 waren am Ende 1.930 Bewerbungen veröffentlicht worden.
Endgültig ist die Zahl nicht. Die Evaluierungsgebühr von 227.000 US-Dollar je Bewerbung muss noch eingehen. Seit einer Anpassung vom 7. August ist maßgeblich der spätere von zwei Zeitpunkten: der 19. August um 23:59 UTC oder sieben Tage nach Versand der Rechnung. Zum regulären Tarif entsprächen 1.600 Bewerbungen 363,2 Mio. US-Dollar an Basis-Evaluierungsgebühren. Geförderte Bewerber zahlen weniger, je nach Verfahrensverlauf können dagegen Conditional Evaluation Fees hinzukommen.
Der Zahlungseingang gehört zur administrativen Prüfung. Nur wer diese besteht, erscheint in der Veröffentlichung. Den Reveal Day erwartet ICANN spätestens neun Wochen nach Fristende, was auf Mitte Oktober hinausläuft; das genaue Datum will die Organisation Mitte September mitteilen.
Veröffentlicht werden dann die Strings aller Bewerbungen, die die administrative Prüfung bestanden haben, sowie die Varianten- und Ersatzstrings, die öffentlichen Teile der Anträge und die Contention Sets für identische Strings.
Was bis dahin bekannt ist
Vor der Runde 2012 waren öffentlich angekündigte Bewerbungen die Ausnahme. Bekannt waren im Wesentlichen Canon sowie einzelne Community- und Städteprojekte wie .gay, .nyc und .eco. Diesmal führte die Datenbank Stringtel des Fachdienstes Domain Incite bereits fünf Tage nach der Fensteröffnung mehr als hundert angekündigte Bewerbungen auf.
Auffällig ist eine große Gruppe offener Markenendungen aus dem Blockchain- und Kryptoumfeld. Gemeint sind Endungen, die dem Namen eines Projekts entsprechen, die zweite Ebene jedoch für Dritte öffnen. Daneben stehen Begriffe aus den Bereichen künstliche Intelligenz und Podcasting, darunter .crypto, .agi, .podcast und .blockchain.
Eine Gruppe schweigt. Marken dürften erneut einen erheblichen Teil der Bewerbungen stellen, öffentlich erklärt hat sich kaum ein großer Inhaber. Das ist nachvollziehbar: Eine frühe Ankündigung verschafft im Verfahren keinen Vorteil und macht Wettbewerber auf sich aufmerksam. Die Überraschungen der Offenlegung dürften daher aus dieser Kategorie stammen.
Ein Bewerber hat inzwischen offengelegt, und zwar in einem Umfang, der die Runde prägt. Die maltesische Link Freedom Group veröffentlichte am 13. August eine Liste von 316 Endungen. Gemessen an 1.600 Bewerbungen wäre das knapp ein Fünftel der Runde, und es wären mehr als Donuts 2012 mit 307 Anträgen einreichte. Gegründet wurde das Unternehmen nach eigenen Angaben von Yoni Belousov, der auch Nova Registry aufgebaut hat, Betreiberin der Endung .link. Nova hatte im März 2025 angekündigt, sich um 200 Endungen zu bewerben.
Daneben steht D3 Global, im Januar 2025 mit 25 Mio. US-Dollar unter der Führung von Paradigm finanziert. Das Unternehmen koordiniert Bewerbungen für mehrere Blockchain-Gemeinschaften, darunter .ape, .core, .near und .gate.