ICANN
Afrikanische Nutzervertretung fordert Geld, der Vorstand antwortet mit einer Bestandsaufnahme
AFRALO und AfrICANN haben im Februar konkrete Forderungen gestellt, darunter Mittel für Internetknoten sowie in jedem Land eine Kopie des Rootservers, den ICANN selbst betreibt. Die Antwort kam Ende August und zählt auf, was ICANN ohnehin tut. Eine Zusage steht nicht darin.
Hadia Elminiawi, Vorsitzende der afrikanischen At-Large-Organisation AFRALO, schickte das Papier am 6. Februar an den Vorstand. Es wurde von AFRALO und AfrICANN gemeinsam verfasst. Es geht auf eine Erklärung zurück, die beim Jahrestreffen ICANN 84 vom 25. bis 30. Oktober 2025 in Dublin entstand. Zwischen der Erklärung und der Antwort liegen damit zehn Monate, zwischen dem Brief und der Antwort knapp sieben. Behandelt werden zwei Probleme: die digitale Kluft in Afrika und die Gefahr, dass das Internet in getrennte Netze zerfällt.
Vier Bündel von Forderungen stehen darin:
- Konnektivität: Mittel für den Ausbau von Internetknoten, neue Programme zur Belebung des Domaingeschäfts in der Region und mindestens eine L-Root-Instanz je Land, sofern technisch erforderlich
- Teilhabe: mehr afrikanische Stipendiaten bei ICANN-Treffen, mehr Plätze in den Nachwuchsprogrammen, Schulungen für Multiplikatoren
- Zusammenhalt des Netzes: Aufklärung afrikanischer Politiker über Fragmentierungsrisiken, Unterstützung internationalisierter Domainnamen für afrikanische Sprachen
- Sicherheit: regionale Rahmenwerke für Cybersicherheit, Datenschutz und Privatsphäre, mehr technische Kapazitäten vor Ort und Abstimmung zum Umgang mit alternativen Namenssystemen wie Blockchain-Domains
L-Root ist einer der 13 Rootserver des Internets und der einzige, den ICANN selbst betreibt. Er weist den Weg zur zuständigen Endung, wenn ein Resolver sie noch nicht kennt. Steht eine Kopie im Land, bleiben solche Anfragen dort und werden schneller beantwortet.
Dazu regt das Papier einen gemeinsamen Think Tank an. Im Begleitschreiben wird dessen erstes Treffen bei ICANN 85 angekündigt.
Die Antwort
Vorstandsvorsitzende Tripti Sinha antwortete am 31. August. Der Brief wurde am 1. September veröffentlicht. Er bestätigt, dass das Anliegen zur Aufgabe von ICANN passt, und listet laufende Arbeiten auf: die Coalition for Digital Africa, Unterstützung von Internetknoten, weitere L-Root-Instanzen, Schulungen für Multiplikatoren, Universal Acceptance, das Sicherheitsprogramm KINDNS und technische Hilfe für Länderregistries.