ICANN
Warum es kein einheitliches System für Domaindaten gibt
Ein privates Projekt hat seinen Entwurf für den Zugang zu Domaindaten quelloffen veröffentlicht und sucht Registrare zum Testen. Es trifft auf einen zentralen Dienst von ICANN, der in zwei Jahren 3.700 Anfragen erhalten hat und dabei Teilnehmer verloren hat. Und auf ein europäisches Gesetz, das die Frage längst beantwortet.
Am 14. September stellte das Edgemoor Research Institute seinen Rahmen zur Offenlegung von Registrierungsdaten öffentlich zur Erprobung. Das Projekt heißt Jake, arbeitet seit 2020 daran und lädt nun Antragsteller und Datenhalter ein, die Alpha-Version zu testen.
Es trifft damit auf eine seit acht Jahren ungeklärte Lage. Seit der Datenschutz-Grundverordnung sind die Inhaberdaten von Domains nicht mehr öffentlich. Wer sie braucht, muss fragen. Wie das geschehen soll, hat bisher niemand verbindlich geregelt.
3.700 Anfragen in zwei Jahren
ICANN betreibt seit dem 28. November 2023 den Registration Data Request Service. Er nimmt Anfragen entgegen und leitet sie an den zuständigen Registrar weiter. Entscheiden muss dieser selbst.
Der zweijährige Versuch endete am 30. November 2025. In dieser Zeit gingen mehr als 3.700 Anfragen zu 40.400 Domains ein. Die Zahl der Antragstellerkonten stieg von 209 auf über 13.700. Abgeschlossen waren am Ende 3.337 Anfragen. Davon wurden 29 Prozent bewilligt und 61 Prozent abgelehnt. Bei neun Prozent waren die Daten bereits öffentlich, bei einem Prozent wurde teilweise bewilligt. Die größten Gruppen der Antragsteller waren Markenrechtler mit 32 Prozent und Strafverfolger mit 16 Prozent.
Die Beteiligung der Registrare stieg und fiel. Zum Start machten 56 Registrare mit, auf sie entfielen 51 Prozent aller Domains. Im Februar 2025 stand der Dienst am besten da, mit 95 Registraren und 60 Prozent. Danach ging es zurück. Am Ende waren es 80 Registrare und 46 Prozent, also weniger als am ersten Tag.
Der Vorstand verlängerte den Dienst dennoch am 30. Oktober 2025 um bis zu zwei Jahre.
Tucows stieg nach vierzehn Monaten aus
Der Ausstieg erfolgte einen Monat nach dem Höchststand. Tucows nannte dafür zwei Gründe.
Zuletzt seien 20 Prozent der eingehenden Anfragen fehlgeleitet worden. Dahinter standen oft Inhaber, die Hilfe bei ihrem eigenen Konto suchten. Weiterleiten lassen sich solche Anfragen im System nicht, sie zählen als abgelehnt. Zweitens würde ICANN dadurch personenbezogene und geschäftliche Daten erhalten, die die Organisation nicht erhalten sollte.
Für das eigene Zugangssystem nennt Tucows 6.216 Anfragen seit Beginn der Zählung im Jahr 2018. Die Offenlegungsquote liegt dort bei rund 61 Prozent. Mit den 29 Prozent des zentralen Dienstes ist das nicht unmittelbar vergleichbar, weil Zeiträume und Zählweise abweichen.
Der Regierungsbeirat forderte im selben Monat, die Teilnahme verpflichtend zu machen. Ohne eine entsprechende Regel kann ICANN die Registrare nicht dazu zwingen.
107 Millionen Dollar im Jahr
Geplant war einmal mehr. Das System for Standardized Access/Disclosure sollte Anfragen prüfen und beantworten, nicht nur weiterleiten. ICANN legte am 25. Januar 2022 die Kostenschätzung vor.