ICANN
Was eine Registrierung wert ist, wenn die Registry aufhört
Verisign schaltet die dritte Ebene in .name ab und kündigt rund 22.000 bestehende Registrierungen. ICANN hat das genehmigt und dabei nur Sicherheit, Stabilität und Wettbewerb geprüft. Widerspruch kommt jetzt vom ehemaligen Vorsitzenden des ICANN-Sicherheitsgremiums.
Die Endung .name wurde für persönliche Namen auf der dritten Ebene eingeführt. Vorgesehen war vorname.nachname.name, dazu die passende Adresse vorname@nachname.name. Der Vertrag stammt aus dem Jahr 2001. Der Betrieb begann im Januar 2002. Registrierungen direkt auf der zweiten Ebene, also nachname.name, kamen erst später hinzu.
Damit ist bald Schluss. Verisign stellte am 15. April zwei Anträge im Rahmen des Verfahrens für neue Registry-Dienste. Der eine beendet die dritte Ebene, der andere die E-Mail-Weiterleitung. Als Gründe nennt Verisign die rückläufige Nutzung und die geringe Unterstützung seitens der Registrare. ICANN genehmigte beide am 7. Mai und veröffentlichte die Entscheidung am darauffolgenden Tag. Am 28. Juli bestätigte ICANN, dass bestehende Registrierungen gekündigt werden dürfen.
Betroffen sind rund 22.000 Domains. Verisign gibt an, dass die meisten inaktiv seien. Die Registrare bekommen mindestens 90 Tage Vorlaufzeit und 30 Tage vor dem Termin eine Erinnerung.
Was ICANN geprüft hat und was nicht
Im Antragsformular steht unter der Frage nach dem Lebenszyklus von Domainnamen ein Wort: "Keine". Verisign ergänzt, dass es keine Auswirkungen auf den Lebenszyklus habe. Bei der Frage nach dem Wettbewerb steht ebenfalls "Nein".
ICANN schreibt in der Genehmigung, die Bewertung sei durch den Wortlaut des Antrags begrenzt. Auf andere mögliche Folgen erstrecke sie sich nicht. Geprüft wurden Sicherheit, Stabilität und Wettbewerb. In keinem dieser drei Punkte sah ICANN eine erhebliche Beeinträchtigung.
Was nicht geprüft wurde, steht damit ebenfalls fest. Vorausbezahlte Laufzeiten kommen nicht vor. Ein Ausgleich für die Inhaber kommt nicht zustande. Und die Grundfrage stellt das Verfahren gar nicht erst: Darf eine Registry eine ganze Klasse bestehender Registrierungen beenden?
Der Einwand kommt vom früheren Vorsitzenden des SSAC
Patrik Fältström hat am 5. September einen Antrag auf Überprüfung gestellt, einen sogenannten Request for Reconsideration. ICANN veröffentlichte den Antrag am 11. September unter der Nummer 26-5. Er hält stupid.domain.name seit dem 17. August 2001.
Fältström leitete von 2011 bis 2017 das Sicherheitsgremium der ICANN (SSAC). Sein Einwand ist eng gefasst: "Ich habe nichts dagegen, dass Verisign keine neuen Registrierungen mehr annimmt. Ich habe etwas dagegen, dass bereits registrierte und genutzte Namen gekündigt werden."
Wer nachname.name bekommt, bekommt die Post
Sein zweites Argument betrifft genau den Punkt, den ICANN prüfen wollte. Fällt die dritte Ebene weg, wird nachname.name frei. Wer diesen Namen dann registriert, kann vorname.nachname.name neu anlegen und die Post des Vorgängers empfangen. Das betrifft Passwörter, Konten und Identität.