Interview
„Realistisch können die ersten Markenendungen frühestens Ende 2027 erreichbar sein“
333 Bewerbungen der neuen Runde gelten als Markenendungen. Martin Küchenthal, Geschäftsführer des Registry-Dienstleisters LEMARIT, rechnet frühestens Ende 2027 mit den ersten erreichbaren Markenendungen. Er erklärt, was eine Markenendung im Jahr kostet und warum viele Marken aus der Runde 2012 ihren Vertrag gekündigt haben.
Das Interview wurde schriftlich geführt.
Aus Deutschland kommen sechs Markenbewerbungen
Am 7. Oktober hat ICANN die Bewerbungen veröffentlicht. Wie viele davon sind Markenendungen, und wie viele stammen aus dem deutschsprachigen Raum?
Die gesamte Domain-Branche war auf den Reveal Day gespannt. Insgesamt zählte die ICANN 1.615 Bewerbungen für weitere TLDs. Darunter waren 333 dotBRAND-Bewerbungen, also Markenendungen, 16 Community-, 15 Geo- und 21 IDN-Bewerbungen sowie 9 Bewerbungen für Varianten. Aus Deutschland kamen insgesamt 46 TLD-Bewerbungen und 6 davon sind dotBRANDs.
Bei Konkurrenz entscheidet am Ende die Finanzkraft
Um einer Konkurrenzsituation zu entgehen, können Markenbewerber bis zum 21. Oktober auf ihre Ersatzzeichenfolge wechseln. Später können sie beantragen, ihre Zeichenfolge um Wörter aus dem Waren- und Dienstleistungsverzeichnis ihrer Marke zu ergänzen. Welchen Weg empfehlen Sie?
Die Frage stellt sich nach jetzigem Stand in zwei grundsätzlichen Kategorien: Einmal zwischen zwei dotBRAND-Bewerbern und einmal in Contention Sets mit einem dotBRAND-Bewerber gegenüber einem Registrar oder Registry. In die erste Kategorie fällt z.B. .echo, das von Amazon und der Registry Echo Domain eingereicht wurde – damit buhlen zwei dotBRAND-Bewerbungen um den Zuschlag. In die zweite Kategorie fällt etwa die .easy Domainendung, für die einerseits die gleichnamige EasyGroup eine dotBRAND-Bewerbung abgegeben hat und andererseits der Registrar Aruba und die neu gegründete Registry Link Freedom Group, die jeweils .easy als gTLD betreiben möchten. In beiden Kategorien hängt es von der Markenstrategie der Beteiligten ab und ob sich die Bewerber im Vorfeld bereits Gedanken darum gemacht haben, wie sie mit der Konkurrenz-Situationen umgehen. Pauschal lässt sich kaum beantworten, welcher Weg besser ist. Am Ende wird entscheidend sein, wie tief die Tasche der Beteiligten ist.