gTLDs
Ist jede fünfte neue Domain bösartig registriert? Über diese Zahl streitet die Branche seit Monaten
Ein Bericht von Interisle beziffert bösartige Registrierungen im gTLD-Markt auf zehn Prozent der Neuregistrierungen, hochgerechnet auf bis zu zwanzig Prozent. ICANNs Forschungsteam vermisst die Nachvollziehbarkeit der Methode. Aus der Branche kommen unterschiedliche Einwände: EuroDNS bestreitet die Größenordnung, die i2Coalition die daraus abgeleitete Schlussfolgerung.
Der Streit läuft seit dem Frühjahr und hat inzwischen vier benannte Beteiligte. Anlass ist der Bericht "Malicious Registrations in the Domain Name Market" der Interisle Consulting Group, verfasst unter anderem von Karen Rose und Greg Aaron. Am 10. August 2026 hat sich ICANNs Forschungsabteilung für Sicherheit, Stabilität und Resilienz zu Wort gemeldet, und zwar nicht mit eigenen Zahlen, sondern mit einer Auseinandersetzung darüber, wie solche Zahlen entstehen.
Was Interisle zählt
Der Bericht wertet Domains aus, die im Jahr 2025 unter generischen Endungen neu registriert wurden, und prüft ihren Listungsstatus bis zum 30. April 2026. Beobachtet wurden dabei 8,5 Mio. gelistete Domains, rund zehn Prozent der 85 Mio. Neuregistrierungen. Alles Weitere ist eingerechnet: Fortgeschrieben auf das Jahresende 2026 erwartet Interisle 10,1 Mio. oder zwölf Prozent, und erst unter Einbeziehung einer Hochrechnung auf verbundene, selbst nicht gelistete Registrierungen kommt der Bericht auf bis zu 16,8 Mio. und damit auf jene zwanzig Prozent, die seither zitiert werden. Die Unterscheidung ist für die Debatte wesentlich: Zehn Prozent sind die von Interisles beobachtete und klassifizierte Untergrenze, zwanzig Prozent ein Modellwert.
Die Verteilung ist ungleich. Bei den absoluten Zahlen führt .com mit 1,93 Mio., was dort 4,9 Prozent der Neuregistrierungen entspricht, gefolgt von .top mit 1,79 Mio., .info mit 562.000 und .bond mit 514.000. Nach Anteilen sieht es anders aus: .locker mit 72,9 Prozent, .lgbt mit 72,2 Prozent und .town mit 70,2 Prozent. Auf der Registrarseite entfallen auf Dynadot, Gname, Namecheap, NameSilo und GoDaddy zusammen die Hälfte aller Listungen, die höchste Quote weist NiceNIC International mit 87,6 Prozent auf.
Wie er zählt
Ausgangspunkt sind acht Reputationslisten, darunter der APWG-Phishingfeed, OpenPhish, PhishTank, die Spamhaus DBL, SURBL und URLhaus; ergänzend hat Interisle Domainlisten aus dokumentierten Cybercrime-Fällen einbezogen. Aus einer Listung allein ergibt sich jedoch noch nicht, dass eine Domain zu diesem Zweck registriert wurde. Dafür zieht der Bericht mehrere Kriterien heran. Das Wichtigste ist das Alter: Eine innerhalb von 90 Tagen nach der Registrierung gelistete Domain stuft Interisle als bösartig ein, weil solche Domains nach früheren Untersuchungen typischerweise zu jung für eine Kompromittierung sind. Weitere Indikatoren sind Auffälligkeiten im Namen selbst, etwa Bestandteile wie "login" oder "security", sowie Markennamen und deren Varianten und Hinweise auf eine gemeinsame Kontrolle. Als Massenregistrierung gilt, wenn beim selben Registrar mindestens zehn gelistete Domains mit höchstens zehn Minuten Abstand voneinander vorliegen.
Für die Hochrechnung auf verbundene, selbst nicht gelistete Domains gelten strengere Anforderungen, die zusammen erfüllt sein müssen: gleicher Registrar, enge zeitliche Nähe, gemeinsame Infrastruktur und charakteristische Namensmuster. Die so gebildeten Gruppen hat Interisle zusätzlich manuell geprüft.