Interview
"Wir rechnen mit unter einhundert Bewerbungen"
Wann ICANN die Bewerbungen der laufenden gTLD-Runde veröffentlicht, steht noch nicht fest. Katrin Ohlmer, Geschäftsführerin der DOTZON GmbH, erwartet weniger als 100 Bewerbungen aus dem deutschsprachigen Raum. Sie erklärt, warum Bewerber diesmal häufiger mit einer konkreten Strategie antreten, wann sich taktisches Schweigen lohnt und weshalb eine weitere Runde nicht gesichert ist.
Das Interview wurde schriftlich geführt.
Unter einhundert Bewerbungen aus dem deutschsprachigen Raum
Wie viele Bewerbungen aus dem deutschsprachigen Raum erwarten Sie am Reveal Day?
Wir rechnen mit unter einhundert Bewerbungen.
2026 geht es häufiger um ein Geschäftsmodell
Was hat sich in der Beratung gegenüber 2012 verändert?
Während es für Bewerber in der 2012er Runde oftmals um rein defensive Anträge ging, sehen wir in 2026 mehr Bewerber, die tatsächlich die beantragte TLD betreiben wollen und sich bereits im Vorfeld der Bewerbung mit Marktanalysen und Vermarktungskonzepten beschäftigt haben. Daher kam in der Beratung in diesem Jahr insbesondere unsere praktische Erfahrung aus dem Betrieb von Top-Level-Domains zum Tragen.
Wer bewirbt sich diesmal, Städte, Marken oder Regionen? Wo liegt der Unterschied zu 2012?
Aus unserer Sicht liegt der große Unterschied darin, dass viele Bewerber in dieser Bewerbungsrunde eine Strategie und ein Geschäftsmodell haben, wie sie die TLD betreiben wollen. Das gilt gleichermaßen für geografische Bewerber, Bewerber für generische Begriffe beziehungsweise Communities und Marken.
Wer seine Endung nennt und wer schweigt
Ein Teil der Bewerber hat seine Endungen längst öffentlich gemacht, ein anderer schweigt bis zum Reveal Day. Was spricht für das eine, was für das andere?
Eine Veröffentlichung ist dann denkbar, wenn eine oder mehrere der folgenden Eigenschaften auf Bewerber zutreffen: Eine hohe Finanzkraft, eine starke Unterstützung der Community für die TLD und bekannte und potenziell kooperative Wettbewerber.
Eine Nicht-Veröffentlichung ist sinnvoll, wenn entweder ein starker Bewerber die nötigen Mittel für Auktionen hat und nicht zur Zusammenarbeit bereit ist oder ein Bewerber aus taktischen Gründen seine Absicht nicht teilen will. In diesen Fällen bietet eine Veröffentlichung keinen wesentlichen Vorteil.
Nach dem Reveal Day bleiben vierzehn Tage, um die beantragte Endung zu tauschen. In welchem Fall würde jemand das tun?
Das wahrscheinlichste Szenario für einen Wechsel ist, wenn es Wettbewerber für die gleiche beantragte TLD gibt. Der Tausch kann Bewerber vor der ICANN-Auktion bewahren, muss es aber nicht.
Ein weiteres denkbares Szenario ist, dass sich Contention Sets aufgrund späterer Schritte wie beispielsweise String Similarity Assessment ergeben. Sprich, die ICANN-Evaluatoren stellen fest, dass die beantragte TLD ähnlich zu einer anderen beantragten TLD ist. Auch hier macht die Überlegung Sinn, diesem möglichen späteren Contention Set aus dem Weg zu gehen.