Interview
„Nach den derzeitigen Kriterien würden wir etwa zehn Prozent überprüfen“
Am 1. Oktober greifen in Österreich die neuen Vorgaben für Domain-Inhaberdaten. Rund 3% der .at-Inhaber haben keine Telefonnummer hinterlegt. Die derzeitigen Kriterien erfassen etwa zehn Prozent der neuen Registrierungen. Robert Schischka, Geschäftsführer von nic.at und Leiter von CERT.at, erklärt das Verfahren und warum er den Nutzen der Vorgaben für die Gefahrenabwehr als begrenzt hält.
Das Interview wurde schriftlich geführt.
34.000 Inhaber ohne Telefonnummer
Wie viele .at-Domains haben heute keine hinterlegte Telefonnummer?
Wir betrachten das nach Domaininhabern, die natürlich auch mehr als eine Domain haben können. Mit Stand 1. September waren etwa 34.000 Inhaber betroffen, also rund drei Prozent von etwa einer Million Domaininhabern.
Was geschieht am 1. Oktober mit diesen Domains, und wie lange haben die Inhaber Zeit, die Nummer nachzutragen?
Wir gehen hier in Schritten vor. Ab 1. Oktober können nur mehr Handles, die nach den Vorgaben korrekt sind, also E-Mail und Telefonnummer haben, in Transaktionen verwendet werden. Also um Domains neu zu registrieren oder um als Inhaber neu eingetragen zu werden.
Wir haben seit etwa einem Jahr allen Registraren Auswertungen zur Verfügung gestellt, die es ihnen ermöglichen, den Datenbestand zu korrigieren, und wir sehen hier auch Fortschritte. Wir werden den Verlauf genau beobachten, haben aber noch kein Datum fixiert, an dem ein Altbestand geprüft wird, an dem es keinerlei Änderungen gibt.
Was die derzeitigen Kriterien ergeben
nic.at geht Auffälligkeiten nach. Woran erkennen Sie eine, und sieht ein Mensch darauf oder ein System?
Wir gehen von einem risikobasierten Ansatz aus und haben dafür ein System entwickelt, das nach einem Satz von Regeln Domains und deren Inhaberdaten zur Verifizierung auswählt. Dieses Regelwerk startet zunächst mit einer Plausibilitätsprüfung von Adresse, E-Mail-Adressen und Telefonnummern, kann aber sehr leicht um andere Kriterien erweitert werden. Zusätzlich können wir jederzeit manuell weitere Domains auswählen, beispielsweise wenn explizit Verdachtsmomente oder Beschwerden vorliegen.
Es erscheint uns wichtig, den Prozess möglichst so anlaufen zu lassen, dass alle Beteiligten sich darauf einstellen können und die Systeme reibungslos einschwingen. Über den Zeitverlauf wird es mit Sicherheit zu einem Nachschärfen der Kriterien kommen, aber wir denken, dass eine Lernkurve auf allen Seiten hier wichtig ist.