ccTLDs
Die .co-Registry macht die Verwertung ablaufender Domains erlaubnispflichtig
Nach einer Mitteilung an die Registrare will die .co-Registry spätestens zum 1. Oktober 2026 Auktionen, Backorders und andere Vorabverwertungen ablaufender Domains von ihrer Zustimmung abhängig machen. Betroffen ist ein etablierter Nebenmarkt. Ein öffentliches Richtliniendokument dazu gibt es bislang nicht.
Die Registry der kolumbianischen Länderendung .co will ihre Registrare dazu verpflichten, den Lebenszyklus abgelaufener Domains strikt einzuhalten. Ein Wechsel des Registranten bei Domains, die abgelaufen sind und vom bisherigen Inhaber nicht verlängert wurden, soll ohne ausdrückliche Erlaubnis der Registry weder ermöglicht noch vollzogen werden. Genannt sind drei Fallgruppen: Auktionen auslaufender oder abgelaufener Domains, Backorders auf Domains, deren Löschzyklus noch nicht abgeschlossen ist, sowie Zurückbehaltung, Selbstzuteilung oder Übertragung an verbundene Unternehmen oder Dritte, wenn dadurch die reguläre Löschung verhindert wird. Wer solche Dienste anbietet, braucht künftig eine Autorisierung.
Die Mitteilung selbst ist nicht veröffentlicht. Sie ging an die akkreditierten Registrare und ist anhand von zwei Branchenpublikationen überprüfbar, die übereinstimmend wiedergeben: Domain Name Wire vom 1. Juni 2026 und Hogan Lovells in seinem Monatsrückblick vom 29. Juni. Beide nennen denselben Stichtag und dieselben Fallgruppen. In der dort zitierten Fassung heißt es:
registrars will be required to adhere strictly to the .CO domain lifecycle and must not facilitate or execute changes in ownership of domain names that have expired and have not been renewed by the original registrant, unless expressly authorized by the .CO Registry
Wo die Grenze verläuft
Entscheidend ist der Zeitpunkt. Die Regel richtet sich nach dem wiedergegebenen Wortlaut gegen Vorgänge, die vor der regulären Löschung stattfinden oder diese verhindern. Hat eine Domain den Lebenszyklus vollständig durchlaufen und ist aus der Registry-Datenbank entfernt, greift die zitierte Bestimmung ihrem Wortlaut nach nicht mehr. Dass die Registry das gewöhnliche Wettrennen um gelöschte Domains nicht unterbinden will, legt ihre eigene Dokumentation nahe: Sie beschreibt einen Lebenszyklus aus 45 Tagen Auto-Renew Grace Period, bis zu 30 Tagen Redemption Grace Period und fünf Tagen Pending Delete, stellt den Registraren alle 24 Stunden eine strukturierte Drop-Liste per FTP bereit und beziffert das Zeitfenster zwischen dem Ende von Pending Delete und der Freigabe auf 60 bis 120 Sekunden.
Damit lassen sich drei Geschäftsmodelle unterscheiden, die von der Neuregelung unterschiedlich betroffen sind. Pre-Release-Auktionen, bei denen ein Registrar die Domain vor der Löschung an einen neuen Kunden weitergibt, fallen ersichtlich darunter. Backorders, die vor Abschluss des Löschzyklus angenommen werden, sind ausdrücklich genannt. Reines Drop-Catching dagegen, bei dem die Domain erst nach der Freigabe neu registriert wird, liegt jedenfalls außerhalb der Bestimmung, sofern es beim eigentlichen Zugriff erfolgt. Offen bleibt, ob die vorherige Entgegennahme eines Backorders bereits die Erlaubnispflicht auslöst, denn viele Anbieter kombinieren beides.
Der Betreiber ist seit einem Jahr ein anderer
Der Eingriff stammt von einem Betreiber, der noch nicht lange im Amt ist. Das kolumbianische Ministerium für Informationstechnologie und Telekommunikation, MinTIC, vergab im Juni 2025 den Betrieb von .co für zehn Jahre an das Konsortium Equipo PuntoCo, gebildet aus Team Internet und der Central Comercializadora de Internet, kurz CCI. Die Migration von 3,3 Mio. Domains erfolgte am 4. Oktober 2025. Nach Angaben von Team Internet erhält das Konsortium acht Prozent der Bruttoeinnahmen aus Registrierungen und Verlängerungen. Laut Domain Incite lag der entsprechende Anteil beim Vorgänger bei 19 Prozent.
Dieser Vorgänger war GoDaddy Registry. Das technische Backend lag seit dem globalen Neustart der Endung im Jahr 2010 zunächst bei Neustar; GoDaddy übernahm es 2020 zusammen mit dem Registry-Geschäft von Neustar. Domain Incite rechnet diese Unternehmensnachfolge zusammen und spricht von einem fünfzehnjährigen Mandat, das mit der Migration endete.
Wen es trifft
GoDaddy Auctions gehört zu den bedeutendsten Plattformen für ablaufende Domains und vermarktet neben eigenen Beständen auch die der zahlreichen Partnerregistrare. Domain Name Wire hält das Unternehmen deshalb für den am stärksten betroffenen Anbieter. Daneben sind DropCatch, NameJet und SnapNames sowie die Marktplätze von Namecheap und Dynadot in diesem Geschäft tätig, allerdings mit unterschiedlichen Modellen und damit absehbar unterschiedlich betroffen. Die Mitteilung fordert Registrare, die entsprechende Dienste für .co anbieten, auf, die Registry zu kontaktieren.
Warum die Registry das kann
Bei generischen Endungen schließen die ICANN-Richtlinien eine Verwertung abgelaufener Registrierungen durch den Registrar nicht aus. Die Expired Registration Recovery Policy regelt Erinnerungen vor Ablauf, Mindestfristen zur Verlängerung, die Unterbrechung der DNS-Auflösung und die Redemption Grace Period; ein ausdrückliches Recht auf Versteigerung enthält sie nicht. ICANN erläutert allerdings selbst, dass ein Registrar eine nicht verlängerte Domain je nach seinen Vertragsbedingungen löschen, an Dritte versteigern oder in das eigene Portfolio übernehmen kann, solange die Verlängerungs- und Wiederherstellungsrechte des bisherigen Registranten gewahrt bleiben.
Diese Konsenspolitik gilt für gTLDs und für ICANN-akkreditierte Registrare in ihrer gTLD-Tätigkeit. Länderendungen sind nicht daran gebunden, schon wegen ihrer Delegation; für sie gelten die Vorgaben der nationalen Aufsicht, des Betreibervertrags und der Verträge mit den Registraren. .co kann den Ablaufmarkt deshalb anders ordnen als .com. Registrygesteuerte Prioritätsmodelle gibt es auch andernorts: Bei .ai werden ablaufende Domains über eine von der Registry ausgewählte Plattform vermarktet, derzeit Namecheap. .dk führt eine echte Warteliste, bei der die gelöschte Domain zuerst dem Erstplatzierten angeboten wird. .pl lässt je Domain nur eine einzige, zeitlich befristete Registrierungsoption zu.
Was offen bleibt
Auf den veröffentlichten Richtlinienseiten der Registry findet sich zu abgelaufenen Domains nichts. Dort stehen die Anti-Abuse-Richtlinie, die Registrierungsbedingungen, die Datenschutz- und Nutzungsbedingungen sowie der Vorbehalt, Richtlinien jederzeit durch Mitteilung an die akkreditierten Registrare ändern zu können. Auch das öffentliche Hilfezentrum beschreibt den Lebenszyklus, ohne die Einschränkung zu erwähnen. Die Neuregelung existiert damit als Registrarkommunikation, nicht als Dokument, das ein Domaininhaber nachlesen könnte. Die Kriterien der Autorisierung sind nicht veröffentlicht, und ob bereits Registrare autorisiert wurden, ist nicht bekannt.
Über die Beweggründe lässt sich nur referieren, was andere vermuten. Domain Name Wire nennt zwei mögliche Erklärungen: die Durchsetzung der aktuellen Verlängerungspreise für Premium-Domains sowie ein eigenes wirtschaftliches Interesse am Ablaufmarkt. Der Beitrag kennzeichnet beides ausdrücklich als Vermutung.
Nachvollziehbar ist immerhin die Preisstruktur, auf die sich die erste Vermutung stützt. Die Registry rechnet Premium-Domains nach einem Modell ab, das sie High-High nennt: Verlängerung und Transfer kosten genauso viel wie die Erstregistrierung. Eine Domain der sechsten Preisstufe kostet nach ihrem Beispiel 1.000 US-Dollar im Jahr, und zwar jedes Jahr, statt nach der Erstregistrierung auf einen niedrigeren Verlängerungspreis zu fallen. Nach Angaben von Domain Name Wire wurden bei der Einführung der Premium-Verlängerungen die bereits bestehenden Registrierungen ausgenommen. Wechselt eine solche Domain direkt den Registranten, bleibt dieser Bestandsschutz erhalten; durchläuft sie dagegen den vollständigen Löschzyklus und wird neu registriert, gilt der aktuelle Premiumpreis. Ob die Registry eigene Auktionen plant, hat sie nicht öffentlich mitgeteilt.
Für Registrare mit .co im Portfolio ist der 1. Oktober damit ein Datum mit Vorlaufzeit. Die Bedingungen dürften sie im Gespräch mit der Registry erfahren, zu der die Mitteilung ausdrücklich auffordert. Von außen bleibt der Vorgang deshalb schwer einzuschätzen: Wie viel von diesem Nebenmarkt übrig bleibt, entscheidet nicht die Regel, sondern die Autorisierungspraxis.
Quellen
- Domain Name Wire: .Co domain registry nukes expired domain auctions, 1. Juni 2026
- Hogan Lovells: Domain Name News, .CO Registry lays down the law on expiring domains, 29. Juni 2026
- .CO Registry Help Centre: Änderungen am Lebenszyklus und Drop-Liste
- .CO Registry Help Centre: Premium Domain Renewal Policy, High-High-Modell
- .CO Registry: Registration Policies
- Team Internet: Team Internet and CCI awarded mandate to operate Colombia's .co domain, 12. Juni 2025
- Team Internet: CentralNic Registry Successfully Migrates 3.3 Million .Co Domain Names
- Domain Incite: GoDaddy loses .co to Team Internet, 12. Juni 2025
- ICANN: Expired Registration Recovery Policy
- Punktum dk: Terms for waiting list
- DNS.pl