ICANN
Das IAB stellt sich gegen das geplante Aufsichtsmodell für die Root-Server
Das Internet Architecture Board hat schwere Bedenken gegen die geplante Aufsicht über die Root-Server. Das Modell könne die Betreiber nicht zur Rechenschaft ziehen, stelle ihnen aber eine im System verankerte Finanzierung und einen faktisch garantierten Fortbestand in Aussicht. Das IAB verlangt sechs Änderungen, bevor ein Rat eingerichtet wird. Der ICANN-Vorstand berät derzeit über das Modell.
Das IAB hat die Stellungnahme am 15. Oktober beim ICANN-Vorstand eingereicht. ICANN hat sie am 21. Oktober veröffentlicht. Sie betrifft ein Modell der Root Server System Governance Working Group. Darin arbeiten die Root-Server-Betreiber und Vertreter der ICANN-Gemeinschaft zusammen. Die Gruppe hatte das Modell am 18. Februar nach einem sechsjährigen Prozess im Konsens beschlossen. Es baut auf einem Vorschlag des Beratungsgremiums RSSAC aus dem Jahr 2018 auf.
Die Betreiber hätten die Hälfte der Stimmen
Im Kern des Modells steht ein Rat mit 24 stimmberechtigten Mitgliedern. Jeder der zwölf Root-Server-Betreiber entsendet einen Vertreter. Je sechs Sitze gehen an die gTLD-Registries und an die Länderendungen. Die Vertreter werden von der Registry-Gruppe der GNSO beziehungsweise der ccNSO bestimmt. IETF, IANA und der Root Zone Maintainer sitzen ohne Stimme im Rat. Eingeführt werden soll das Modell in drei Phasen. In den ersten beiden Phasen soll vor allem ICANN die neue Struktur finanzieren.
Sechs Bedingungen
Das IAB verlangt, weitere Gruppen in den Rat aufzunehmen. Genannt werden etwa die Nutzervertretung ALAC, die IETF und das IAB, die Regierungen im GAC sowie die regionalen Internet-Registries. Die Root-Server-Betreiber, die Endungen und die übrigen Gruppen sollen gleich viel Stimmgewicht haben. Wer etwa einen Root-Server und zugleich eine Endung betreibt, soll nicht doppelt abstimmen dürfen. Ein Beispiel wäre Verisign, das die A-Root und die J-Root sowie die Endung .com verwaltet.
Ein unabhängiges Gremium soll Einsprüche gegen die Benennung, Abberufung oder Suspendierung von Betreibern prüfen. Der Rat soll einer Kontrolle unterliegen, wie sie die Gemeinschaft gegenüber dem ICANN-Vorstand hat. Die Finanzierung soll verbindlich feststehen, bevor der Rat entsteht.
Außerdem kritisiert das IAB den Umgang mit der öffentlichen Konsultation 2025. Viele Einwände seien auf spätere Phasen verschoben worden. Folge der Vorstand dem Plan unverändert, stehe die Legitimität des Multi-Stakeholder-Modells für die Root-Server infrage.
Der Vorstand berät noch
Laut einer Vorschau von ICANN wollte der Vorstand das Modell auf seinem Workshop im Oktober weiter beraten. Die ICANN-Organisation sollte dort die Umsetzung, den Zeitplan sowie mögliche Leitplanken vorstellen. Eine Entscheidung war nicht angekündigt.