ICANN
Bei internationalisierten Domains wächst alles außer den Registrierungen
ICANN hat am 22. September den Jahresbericht zu internationalisierten Domains veröffentlicht. Die Mitteilung spricht von weltweitem Fortschritt. Der Bericht selbst zeigt etwas anderes. Unter generischen Endungen sinkt der Bestand seit vier Jahren. .de liegt bei internationalisierten Domains weltweit auf Platz 3.
Internationalisierte Domains werden im Fachjargon als IDN bezeichnet. Sie erlauben Zeichen jenseits des ASCII-Zeichensatzes. Dazu zählen deutsche Umlaute ebenso wie nichtlateinische Schriften. ICANN veröffentlicht dazu seit Jahren einen Bericht. Die Ausgabe 2026 trägt das Datum 1. September und erschien am 22. September.
1,359 Millionen unter gTLDs, 159.000 weniger als 2022
Zum 31. März 2026 verzeichnete ICANN 1,359 Millionen IDN unter allen generischen Endungen. Ein Jahr zuvor waren es 1,396 Millionen. Das ist ein Rückgang um 2,65 Prozent.
Der Blick über mehrere Jahre hinweg wird immer deutlicher. Im Dezember 2022 lag der Bestand bei 1,518 Millionen. Seither ist er bei jeder Messung gesunken. Unterm Strich fehlen 159.000 Namen, also gut zehn Prozent.
Der Rückgang wird vor allem von den chinesischen IDN-Domains getragen. Sie stellt 48 Prozent aller IDN unter gTLDs dar. Ihr Bestand fiel von 760.000 auf 646.000. Japanisch verlor ein Drittel, von 74.000 auf 50.000. Die lateinische Schrift legte leicht zu, von 396.000 auf 402.000.
.de steht weltweit auf Platz drei
Weltweit verzeichnet der Bericht rund 4,3 Millionen IDN auf der zweiten Ebene. Gut 71 Prozent davon enden mit Länderendungen. Die größten Endungen sind .рф mit 779.000 und .com mit 733.000. Es folgen .de mit 618.000, .cn mit 537.000 und .中国 mit 185.000.
Vier der fünf sind Länderendungen. Wer IDN nutzt, tut das offenbar lieber national. Diese Zahlen stammen aus dem IDN World Report vom Mai 2026, nicht aus den Zonendateien von ICANN.
Sieben von zehn Mailservern scheitern weiter
Die zweite Hälfte des Berichts behandelt Universal Acceptance. Gemeint ist die Frage, ob die Software solche Adressen überhaupt akzeptiert. ICANN prüft dafür die Mailserver mit generischen Endungen.
29 Prozent der geprüften Mailserver unterstützen internationalisierte E-Mail-Adressen. 2022 waren es rund 20 Prozent. Nach vier Jahren kann also knapp jeder dritte Server damit umgehen.
Der Bericht nennt eine zweite Zahl für Websites. 20,6 Prozent nahmen eine internationalisierte Adresse an, gegenüber 11,1 Prozent im Vorjahr. Der Vergleich trägt aber nicht. Geprüft wurden 923 Seiten gegen 2.000 im Jahr davor. Zudem lief der Test erstmals automatisiert. Seiten mit CAPTCHA fielen damit heraus.