ICANN
47 Leitlinien für Universal Acceptance liegen vor, ICANN will sie erst bewerten
Die Expertengruppe für Universal Acceptance hat ihre Arbeit beendet. Sie hat ICANN 47 Leitlinien übergeben, von KI-Werkzeugen bis hin zu Kennzahlen. ICANN-Chef Kurt Erik Lindqvist dankt in einem Schreiben vom 1. Oktober. Eine Zusage zur Umsetzung enthält es nicht. ICANN werde die Leitlinien bewerten.
Universal Acceptance bedeutet, dass Software alle gültigen Domainnamen und E-Mail-Adressen verarbeiten kann, auch solche mit nichtlateinischen Zeichen oder langen Endungen. Lindqvist hatte die Gruppe im August 2025 eingesetzt. Ihr gehörten 13 Fachleute an, darunter Vertreter von Unicode, W3C, UNESCO, Meta und CNNIC. Den Vorsitz führten Edmon Chung von DotAsia und Sarmad Hussain von ICANN. Ein Entwurf lag von Februar bis April zur Kommentierung vor. Am 28. August übergaben die Vorsitzenden die Endfassung, am 9. September hat ICANN sie veröffentlicht.
Vorrang für Regierungen, Konzerne und Open Source
Die Leitlinien sind beratend. Die Gruppe empfiehlt, zunächst mit Regierungen, großen Technologiekonzernen und Open-Source-Projekten zu arbeiten. Den Konzernen soll ICANN den wirtschaftlichen Nutzen aufzeigen, etwa durch eine Studie.
Nach der Kommentierung wurde das Thema KI hinzugefügt. Werkzeuge, die Code erzeugen, sollen von sich aus Programme liefern, die internationalisierte Domains und E-Mail-Adressen korrekt verarbeiten. ICANN soll prüfen, wo sie das heute nicht tun, und mit den Anbietern sprechen.
Im Open-Source-Bereich setzt die Gruppe auf die Grundfunktionen. Dazu zählen das Prüfen von Adressen, das Erkennen von Links sowie die Anmeldung. Werden Fehler dort behoben, profitieren alle Anwendungen, die darauf aufbauen. Vorrang sollen die häufig genutzten Projekte haben. Die Gruppe nennt Mozilla und WordPress.
Was die Domainbranche tun soll
Für Registries, Registrare und Reseller gibt es fünf Leitlinien. Die Branche könne von anderen nichts erwarten, was sie selbst nicht leiste, heißt es dort. Als Beispiel nennt die Gruppe ein Bestellformular beim Registrar, das keine internationalisierten E-Mail-Adressen akzeptiert. Auch EPP und RDAP müssten solche Adressen verarbeiten. Die Gruppe schlägt regelmäßige Selbstprüfungen vor. Vorrang sollen Länderendungen und GeoTLDs haben, insbesondere solche mit IDNs.
Am weitesten geht Leitlinie 26. Gemeinschaft und Vorstand könnten einen Issues Report zu den Lücken bei Registries und Registraren erwägen. Das wäre ein möglicher erster Schritt in einem Verfahren zur Policy-Entwicklung. Die Gruppe denkt dabei auch an Anreize.
Hostern soll ICANN zuerst eine Frage stellen: Fehlt es an Wissen, an wirtschaftlichem Anreiz oder an Technik? Verwaltungsoberflächen für Webhosting sollen Universal Acceptance bereits standardmäßig unterstützen.