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Ein RFC bringt das Verkaufsschild ins DNS
Ein TXT-Eintrag unter _for-sale signalisiert künftig, dass eine Domain verfügbar ist, wahlweise mit Angebotspreis oder Kontaktangaben. Die Domain kann dabei weiterlaufen. Ein Signal für das Gegenteil kennt das Verfahren nicht.
Am 30. Juli 2026 ist RFC 10023 erschienen, "The '_for-sale' Underscored and Globally Scoped DNS Node Name", verfasst von Marco Davids von SIDN Labs, der Forschungsabteilung der Verwalterin der niederländischen Länderendung .nl. Das Dokument ist ein Informational RFC und beschreibt eine Betriebskonvention, keine Protokollerweiterung. Für die Domain wird ein Knoten _for-sale angelegt und dort ein TXT-Eintrag hinterlegt:
_for-sale IN TXT "v=FORSALE1;fval=EUR999"
_for-sale IN TXT "v=FORSALE1;ftxt=Call for info."
Neben dem unverbindlichen Angebotspreis lassen sich eine Kontakt-URI oder ein Code hinterlegen, dessen Bedeutung nur die beteiligten Parteien kennen. Schon ein Eintrag ohne Zusatz ist ein gültiges Signal. Der Begriff ist dabei weit gefasst und umfasst ausdrücklich sowohl die Miete als auch die Überlassung des Nutzungsrechts.
Der praktische Unterschied zur Parking- oder Verkaufsseite besteht darin, dass die Website weiterlaufen kann. Sie bleibt unverändert, das Verkaufssignal steht daneben und fällt keinem Besucher auf.
Naheliegend ist dabei, im URI-Feld auf eine Verkaufs- oder Kontaktseite zu verweisen, statt der Telefonnummer oder E-Mail-Adresse direkt einzutragen. Vor deren automatisiertem Abgreifen warnt das Dokument ausdrücklich. Wer gar nichts hinterlegen will, kann sich auf die Versionskennung beschränken; der RFC verweist in diesem Fall auf die herkömmlichen Wege über WHOIS und RDAP. Praktisch kann das allerdings ins Leere laufen, weil öffentlich zugängliche Registrierungsdaten häufig keine unmittelbaren Kontaktdaten des Inhabers mehr enthalten. Dann steht zwar das Schild, aber niemand weiß, an wen man sich wenden soll.
Das Signal lässt sich jederzeit durch Entfernen des Eintrags abschalten. Ein ausdrückliches Gegenteil ist dagegen nicht vorgesehen. Ein Inhalt, der eine Domain als nicht verkäuflich ausweist, gilt als ungültig. Wer Kaufanfragen abwehren statt einladen will, findet hier nichts. Die Abwesenheit eines Eintrags bedeutet lediglich, dass kein Signal gesetzt wurde.
SIDN erprobt das Konzept seit mehreren Jahren mit .nl-Registraren. Wer eine Domain auf den Informationsseiten der Registry nachschlägt, sieht bei gesetztem Merkmal einen Hinweis samt Verweis auf eine Seite des Registrars. SIDN Labs erklärte am 28. Oktober 2025 allerdings, dass der Pilot auf einer älteren Entwurfsfassung beruht; die Umstellung auf die aktuelle wurde zurückgehalten, bis absehbar war, dass keine weiteren Änderungen folgen würden.
Ob daraus Praxis wird, hängt von den Registraren ab. Die wenigsten Registranten bearbeiten DNS-Einträge von Hand. Das Verfahren erhält also erst Reichweite, wenn es als Schalter in den Oberflächen auftaucht. Genau diese Unternehmen betreiben aber vielfach eigene Marktplätze und Brokerdienste, wie Domain Incite anmerkt, und hätten wenig Anlass, ein Verfahren zu fördern, das Käufer und Verkäufer unmittelbar zusammenbringt. Die Technik ist der einfachere Teil.
Quellen
- RFC 10023: The "_for-sale" Underscored and Globally Scoped DNS Node Name, 30. Juli 2026
- SIDN Labs: A digital 'for sale' sign for .nl domain names, 28. Oktober 2025
- IETF Datatracker: draft-davids-forsalereg, Entwurfshistorie
- Domain Incite: Now you can plant "for sale" signs directly into your domains