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SIDN findet rund 2.900 Glücksspiel-Domains unter .nl, die Hälfte sind alte Domains mit neuem Inhaber
Die niederländische Registry SIDN hat über vier Monate hinweg mehr als 100.000 .nl-Domains untersucht. Rund 2.900 davon hatten einen klaren Bezug zu Glücksspiel, nur knapp 600 gehörten legalen Anbietern, Behörden oder Branchenorganisationen. Den größten Teil machen über 1.480 aufgegebene Domains aus, die neue Inhaber für Links auf Glücksspielseiten wiederverwenden.
Die niederländische Registry SIDN hat über vier Monate hinweg mehr als 100.000 .nl-Domains untersucht. Rund 2.900 davon hatten einen klaren Bezug zu Glücksspiel, nur knapp 600 gehörten legalen Anbietern, Behörden oder Branchenorganisationen. Den größten Teil machen über 1.480 aufgegebene Domains aus, die neue Inhaber für Links auf Glücksspielseiten wiederverwenden.
SIDN hat die Auswertung am 29. September veröffentlicht, mitgewirkt hat die Nachrichtenseite CasinoNieuws.nl. SIDN durchsuchte zunächst die bestehende .nl-Zone und beobachtete anschließend über vier Monate hinweg neue Registrierungen. Gesucht wurden Markennamen, Glücksspielbegriffe und auffällige Registrierungsmuster.
Alte Domains mit gutem Ruf
Typisch ist folgender Ablauf: Ein Inhaber gibt seine Domain frei, etwa für einen Schuhladen oder eine Veranstaltung. Kurz darauf registriert sie jemand anderes neu und baut die alte Seite nach. Alle Links führen dann entweder zu Casinos ohne niederländische Lizenz oder zu Seiten mit KI-generierten Glücksspielartikeln.
Laut SIDN-Produktmanager Martijn Sanders geht es um den Ruf der alten Domain bei Suchmaschinen. Nach Jahren der Nutzung wird sie dort gut gefunden. Um besonders wertvolle Namen bemühen sich teils mehrere Interessenten zugleich. Frank Op de Woerd von CasinoNieuws.nl nennt einen weiteren Grund: Illegale Anbieter zahlen Vermarktern teils das Achtfache dessen, was lizenzierte Anbieter zahlen.
Die übrigen Funde gliedert SIDN in vier Gruppen. 112 Domains führten zu Casinos ohne Lizenz der Glücksspielbehörde Kansspelautoriteit. Viele davon prüfen nicht das Sperrregister Cruks, das legale Anbieter vor dem Spiel abfragen müssen. 312 Domains enthielten Begriffe wie „casino“ oder „bet“, waren jedoch noch nicht aktiv. 121 Seiten missbrauchten Namen oder Logos lizenzierter Anbieter wie Holland Casino, teilweise mit funktionierender Anmeldung. 70 Seiten sahen wie Casinos aus, leiteten aber auf ausländische Anbieter weiter.
Manche Seiten zeigen die illegalen Inhalte nur außerhalb der Bürozeiten oder nur auf bestimmten Geräten. Andere sperren IP-Adressen, die den Behörden gehören.
Hinweise kommen oft von der Konkurrenz
Seit Beginn der Untersuchung hat SIDN fast 1.800 Domains unerreichbar gemacht. Die meisten Hinweise kamen anonym, gut 360 kamen von der Kansspelautoriteit. Lizenzierte niederländische Anbieter melden dagegen kaum etwas. Die meisten Anträge stammen laut Sanders von Vertretern ausländischer Anbieter ohne Lizenz oder von illegalen Konkurrenten unter .nl.
SIDN entscheidet bei der Registrierung nicht darüber, ob eine Domain später missbraucht wird. Bei „Ajax“ weiß die Registry nicht, ob der Fußballverein, das Putzmittel oder der griechische Held gemeint ist.
Die meisten der 1.800 Domains hat SIDN laut CasinoNieuws.nl nach Prüfung der Inhaberdaten unerreichbar gemacht. Bei begründetem Verdacht auf Missbrauch muss der Inhaber seine Daten innerhalb von drei Werktagen nachweisen. Gelingt das nicht, kann SIDN die Nameserver entkoppeln. Die Seite ist über die Domain dann nicht mehr erreichbar.
Ein kleinerer Teil lief über das Notice-and-Take-Down-Verfahren. Dort greift SIDN nur als letztes Glied der Kette ein und nur bei eindeutig rechtswidriger Nutzung. Bei Markenmissbrauch ist die Glücksspielbehörde nicht zuständig. SIDN benötigt dann einen Antrag des Markeninhabers.
Belgien und Großbritannien sehen dasselbe
SIDN hat sich mit den Registries in Belgien und Großbritannien ausgetauscht. Auch dort nehmen Registrierungen mit Glücksspielbezug zu. Die Daten hat SIDN anonymisiert an die Kansspelautoriteit übermittelt. Beide wollen künftig enger zusammenarbeiten. Verdächtige Domains sollen dann kurz nach der Registrierung auffallen, nicht erst, wenn die Seite online ist.